imm cologne 2018: Sitzmöbel im Test

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Text: Norman Kietzmann

Sitzen ist eine knifflige Angelegenheit. Wer es freiwillig tut, genießt den Moment der Entspannung. Wer es unfreiwillig tut, hat meistens etwas angestellt. Dass die Realität des Alltags irgendwo dazwischen liegt, zeigt der Rundgang über die Kölner Möbelmesse imm cologne. Die ersten Neuheiten des Jahres haben wir an Ort und Stelle ausprobiert.

Sitzmöbel durften früher unbekümmert vor sich hin dösen. Doch das ist nun vorbei. Multitasking ist gefragt. Fast unisono haben die Aussteller dieser Kölner Möbelmesse nach neuen Schnittstellen gesucht. Stühle müssen für Wohnräume, Büros und Hotels gleichermaßen funktionieren. Sessel inszenieren sich als komfortable Kojen mit einem Hang zur Skulpturalität. 

Die Polstermöbelhersteller schwanken zwischen zwei Extremen: Auf der einen Seite dominieren kompakte, rundliche Möbel, die gerne mit Samt- oder mit kuscheligen Teddybär-Bezügen ausgestattet sind. Auf der anderen Seite stehen große, voluminöse Sitzlandschaften, die den Salon einer üppigen Villa oder ein weitläufiges Loft für ihre volle Wirkung voraussetzen.

Unter der Oberfläche
Bei der Höhe der Rückenlehnen herrscht Uneinigkeit. Je niedriger sie ausfallen, desto mehr wird die Weite des Raumes betont. Die Möbel wirken aufgrund dieser Schrumpfung zwar deutlich lässiger. Doch umgekehrt sorgen die fehlenden Kopfstützen für einen Punktabzug in puncto Komfort. Die Gegenbewegung lässt hier nicht auf sich warten: Auffallend viele Sofas dieser imm cologne laden mit hohen Rückenlehnen zum Lümmeln ein. 

Komfort ist jedoch nicht nur eine Frage der Proportionen. Armlehnen aus handschmeichelnd weich geschliffenen Hölzern steigern ebenso den Wohlfühlfaktor wie echte Daunenfüllungen. Die Besonderheit eines Möbels schließt auch das mit ein, was unterhalb der textilen Oberfläche passiert und sich der Sichtbarkeit entzieht. Luxus und Understatement gehen damit Hand in Hand. Gleichzeitig wird der Fokus von der Form verstärkt auf den Gebrauch gelegt.  

Lässige Erdung
An dieser Stelle ist der Vormarsch einer ungewöhnlichen Typologie zu beobachten: riesige Sitzkissen, halb Matratze, halb Sofa, warten mit robusten, teppichartigen Bezügen auf. Diese Hybride werden einfach auf den Boden gelegt und definieren eine erhöhte Metaebene für ein informelles und dennoch komfortables Sitzgefühl. Die Bandbreite der Wohnzimmermöblierung wird damit ausgeweitet, während im selben Atemzug eine neue Verspieltheit in die heimischen vier Wände vordringt.

Wie die Möbelneuheiten der Kölner Möbelmesse abgeschnitten haben, erfahren Sie im DEAR-Sitzmöbeltest in unserer Bildergalerie…

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